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Die andere Wange hinhalten - Kann man mit der Bergpredigt leben?

Wer einen Mitmenschen beschimpft, gehört vor Gericht. Wer eine verheiratete Frau begehrt, hat schon die Ehe gebrochen. Wer geschlagen wird, soll auch noch die andere Wange hinhalten. Und die, die einem Böses wollen, soll man lieben. Die Forderungen Jesu in seiner Bergpredigt sind weltfremd, oder?

Mit diesen Fragen stellte Prof. Dr. Matthias Konradt von der Theologischen Fakultät Heidelberg seine Zuhörer mitten hinein in die aktuelle Auseinandersetzung um das Verstehen der Bergpredigt. Etwa 40 Pfarrer und Religionslehrer folgten in Offenburg gespannt seinen Ausführungen zum Thema „Jesu Forderungen in den sog. Antithesen (Mt 5,21-48). Utopie, Sündenspiegel oder reale Handlungsorientierung für christliches Leben?“

Prof. Konradt stellte die Forderungen im Zusammenhang des Evangeliums dar. Als Verschärfung jüdischer Ethik waren sie für den Verfasser des Evangeliums verbindliche Orientierung für alle, die Jesus nachfolgen.

Beispielhaft zeigte er den Geltungsanspruch der Forderungen der Antithesen auf:
Mit der Ausweitung des alttestamentlichen Gebots „Du sollst nicht Töten“ auf die bloße Beschimpfung des Mitmenschen ist nicht mehr nur der Mord als Tat betroffen, sondern das gesamte Verhalten bis hin zur grundsätzlichen Einstellung. Dabei beziehen sie sich zuerst auf zwischenmenschliche Beziehungen und lassen sich nicht ohne weiteres auf die Auseinandersetzung von Staaten übertragen.
Der Referent machte deutlich, dass die radikalen Forderungen der Bergpredigt in Jesu Zusage von Gottes Vergebung und in sein Heilungs- und Heilshandeln eingebettet sind. Nur in einem lebendigen Verhältnis daraus sind sie zu leben: Auch, wenn ihr Ziel nicht von Menschen zu erreichen ist, weisen sie den Weg, der für Christen zu beschreiten ist. Sie geben beispielhaft eine Richtung vor, die situationsgerecht auf heutige Fragestellungen zu übertragen ist.
 
Prof. Konradt gelang es, den radikalen, herausfordernden Anspruch der Worte Jesu zur Geltung zu bringen ohne die menschliche Lebenswirklichkeit auszublenden. Dass er damit den Nerv seiner Zuhörer getroffen hatte, machte das angeregte Gespräch im Anschluss deutlich.
 
Autor: Mirko Diepen  Oktober 2016
 
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Quelle: ekiba.de

 

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