Home  |  Impressum  |  Datenschutz  |  Sitemap
zurück     Drucken     per Mail versenden          

Reformierter Islam für Schulen gefordert

Veröffentlicht auf Nachrichten der Ortenau - Offenburger Tageblatt (https://www.bo.de) 
 
Abdel-Hakim Ourghi fordert reformierten Islam für Schulen 
Die evangelischen Pfarrkonvente der Ortenau hatten am Dienstag, 14.10.2017, zu einem Studiennachmittag nach Offenburg eingeladen.
 
Referent war der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi. Er forderte eine Neuauslegung des Koran und prangerte konservative Strömungen des Islam an. 
An scharfen Thesen und gepfefferter Islamkritik mangelte es nicht beim Studiennachmittag, den die evangelischen Pfarrkonvente der Ortenau am Dienstag in Offenburg zum Thema Koranauslegung angesetzt hatte. Dafür sorgte der Referent, der deutsch-algerische Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Erbildet die auch an Ortenauer Schulen händeringend gesuchten Lehrer für Islamischen Religionsunterricht aus, und setzt sich für einen reformierten, westlichen Islam ein – und das auch öffentlichkeitswirksam.
Wenige Tage vor dem Studiennachmittag in Offenburg hatte er 40 Thesen zur Reform des Islam an der Tür einer konservativen Berliner Moschee angebracht. 
 
Wie im Mittelalter
»Der Islam in Deutschland muss unbedingt reformiert werden«, sagte Ourghi vor den Mitgliedern der Regionalkonvente und Ortenauer Religionslehrern. Der Schlüssel dazu sei eine Neuinterpretation des Koran. Dieser müsse humanistisch ausgelegt werden, forderte Ourghi. Das sei auch möglich, doch werde in vielen Fällen von der konservativen Mehrheitsströmung seiner Glaubensgenossen verhindert. Die Auslegung des Koran sei im Mittelalter steckengeblieben.
 
Ourghi präsentierte den Koran als inhaltlich zweigeteiltes Buch, das die Richtschnur dermuslimischen Lehre und Alltagsreligiosität sei. »Es gibt einen humanistisch-ethischen, einen friedlichen Koran, in dem Werte vertreten werden, die bis heute gültig sind. Und es gibt den politisch-juristischen Koran.« Dieser sei nur aus dem historischen Kontext des 7. Jahrhunderts, der Entstehungszeit des Islam, zu verstehen - und auch nur für diese Epoche gültig. Gerade auf diese stützten sich aber Extremisten.
 
Im Koran fänden sich Bezugspunkte für Sexismus, Homophobie, Gewalt und Ausgrenzung anderer Religionen, sagte Ourghi. Mitverheerenden Folgen: »Der Islamismus ist eine vom Islam hervorgebrachte Krankheit.« Und weiter: »Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Terroristen sind Muslime.
«Besserung tut not - und Veränderung, besonders bei der Vermittlung der Glaubensinhalte.
Ourghi regte deshalb an, den Koran nicht wörtlich zu nehmen, sondern neu zu interpretieren.»Der Koran ist ergänzungsbedürftig«, sagte er. »Muslime müssen lernen, den Koran gemäß der westlichen Kultur zu verstehen.«
Durch eine offenere Auslegung böten sich auch vielfältige Möglichkeiten der Interpretation der eigenen Identität. 
 
»Ins Gefängnis«
Wie schnell könnte dieser Wandel von stattengehen?
Ourghi verwies immer wieder auf die konservativen Beharrungskräfte. Und er betonte: »Würde ich das, was ich hier heute sagte, in einem muslimischen Land sagen, ich käme ins Gefängnis. Wenn man wohlmeinend mit mir ist.«

Autor: Marc Mudrak

 

Quell-URL:
 
Kirchenwahlen 2019
Quelle: ekiba.de

 

zurück     Drucken     per Mail versenden